Schweißen und Schneiden 2017 – Nachbericht

Meine erste Messe passend zu meinem Blog habe ich dieses Jahr absolviert – es war die “Schweißen und Schneiden 2017”. Ich muss gestehen, dass ich mir keine kostengünstige Messe ausgesucht habe – für ein Tagesticket waren gut 40 € fällig.

Nun gut, da diese Woche Kinderbelustigung bei mir auf dem Tagesprogramm stand, konnte ich erst gegen 14 Uhr auf die Messe starten. Großer Vorteil war jedoch, dass an diesem Tag die Messe bis 20 Uhr geöffnet hatte und somit doch reichlich Zeit war.

Ich hatte mich im Vorfeld bereits über interessante Aussteller und deren Produkte informiert, zudem ein paar Termine vereinbart etc. Interessant ist und war, dass DIE Weltleitmesse zum Thema Schweißen und Schneiden in Deutschland stattfindet, genauer gesagt in Düsseldorf. Es gibt unzählige Messen zu diesem Thema und vornehmlich in den Regionen Amerika und auch Asien, aber keine dieser Messen kommt an das deutsche Pendant heran.

Zielgruppe der Messe

Nun gut: Ich als Blogger, der natürlich kein Spezialist in den Bereichen Schweißen und Schneiden ist, sondern vieles durch Anlesen oder auch Erlernen (manchmal auch schmerzhaft) gelernt hat und unzählige Fachartikel studiert, aber auch durch Erfahrungen erfahrener Schweißer oder auch Techniker aufgesogen habe, bin nicht die Zielgruppe dieser Messe.

Natürlich liegt der Fokus auf dem Personenkreis, welcher in nächster Zeit Geld in die Hand nehmen will und sich einen Schweißroboter z.B. von KUKA hinstellen möchte. Gerade vor dem Hintergrund, dass gefühlt jeder zweite Stand einen Roboter von KUKA als Demonstrationsobjekt mit dem eigenen Schweißgerät bestückt hat. Man kennt Bilder und Videos von Produktionsstraßen der Automobilhersteller, wo minütlich ein neues Fahrzeug vom Band rollt. Einen solchen Roboter mal live gesehen zu haben ist durchaus eine Erfahrung, habe natürlich für meine Bedürfnisse keinen Anwendungsfall – zumindest noch nicht 😉

WeldCloud, WeldEye und wie sie alle heißen

Bei den Buzzwords handelt es sich um Systeme, welche Daten unter anderem zur Schweißnaht erfassen und diese auch visualisieren können. So lässt sich sowohl im Nachgang genau sagen, wann genau welche Schweißnaht bzw. welches Werkstück durch welchen Schweißer gefertigt wurde. Zudem lassen sich auch die einzelnen Schweißparameter nachschlagen, ohne bzw. mit nur sehr geringem Aufwand auf seiten des Schweißers. Aber ich hole noch mal ein Stück weiter aus:

Hat das Unternehmen sich selber zur Aufgabe gemacht immer gleichbleibende Qualität abzuliefern oder ist möglicherweise durch eine Norm z.B. im Bereich Kesselbau, Pipelinebau, o.Ä. dazu verpflichtet, dann kommt WPS zum Einsatz. WPS steht für “welding procedure specification”  und beschreibt wie genau die Schweißnaht zu erledigen ist und mit welchen Schweißparametern geschweißt werden muss.

Da natürlich eine Schweißfachkraft keine Lust auf Dokumentation hat, ist es umso schöner, wenn ihm möglichst viel Aufwand dafür abgenommen wird. Genau hier kommen beispielsweise die WeldCloud von ESAB oder auch WeldEye von Kemppi zum Einsatz. Aus den gesammelten Daten lassen sich dann schöne Grafiken oder auch Übersichten erstellen, welchen die wichtigen Daten beinhalten. So beispielsweise die Anzahl der verbundenen Schweißgeräte, verbratenen Draht, Schweißgerät mit hoher Fehlerrate etc. Anbei an Auszug aus dem System von ESAB:

Schweißen und Schneiden 2017 KEMPER

Virtual Reality in der Schweißausbildung

Ähnlich zu einem Fahrsimulator gibt es auch einen Schweißsimulator. Ich habe mir dazu den Simulator von Seabery auf der Messe nicht nur angeguckt, sondern auch mal ausprobiert. Analog zu einem gewöhnlichen MIG-/MAG-Schweißbrenner hatte man einen sehr gut nachempfundenen Controller in der Hand, der optisch fast wie ein Schweißbrenner aussah. Damit die Simulation nun auch wirklich real wirkt, zieht man nun den Schweißhelm auf und bekommt über das intern-verbaute Display die Schweißumgebung simuliert – analog zu Virtual Reality System aus dem Bereich Gaming.
Nun bietet das komplette System diverse Einstellungsmöglichkeiten, z.B. Materialstärke und Schweißposition, Nahtlage und auch Art etc.
Interessant dabei ist, dass man nicht nur auf MIG/MAG-Schweißen begrenzt ist, sondern der Hersteller auch WIG und E-Hand anbietet. Auf der Webseite des Herstellers findet man eine Reihe von Bildern, welche die Möglichkeiten sehr gut beschreiben:

www.soldamatic.de/de/produkt/bilder/

Akku Schweißgeräte

Nachdem Lorch bereits zur “Euroblech ’16” ein Elektrodenschweißgerät mit wahlweise Akku oder Strombetrieb vorgestellt hat, war es nun dieses Jahr soweit die Familie um ein weiteres Produkt zu erweitern. Dabei handelt es sich um das Lorch MicorTIG 200 DC Accu-ready, welches Ende des ersten Quartals 2018 käuflich zu erwerben sein wird. Anbei ein paar technische Daten zu dem Gerät:

  • 5 – 200 A Schweißbereich
  • 1 – 230 V Netzspannung
  • Hochfrequenzzündung (HF-Zündung)
  • Zwei Bedienkonzepte (BasisPlus und ControlPro), wobei das ControlPro Folgendes mehr bietet:
    • Menüführung über detaillierte Schweißablaufsteuerung
    • Jobspeicher für 10 Schweißaufgaben

Genaue Informationen zur Akku-Laufzeit sind leider nicht online oder im Lorch Katalog zu finden. Möglicherweise möchte sich Lorch dazu noch im Nachgang zu meinem Beitrag äußern.

PFERD ALUMASTER

Bei der PFERD ALUMASTER handelt es sich nicht um eine klassische Scheibe für den Winkelschleifer, sondern um eine Hochleistungs-Zerspanungsscheibe speziell für Aluminium. Dabei ist egal, ob die Scheibe zur Vorbereitung einer Schweißnaht (Anfasen) genutzt werden soll oder auch zur Nachbearbeitung von Schweißnähten (Kehl- und auch Stumpfnähte). Auf der Messe wurde in einer Kabine die immense Abtragsleistung gezeigt. Großer Vorteil dabei ist, dass im Gegensatz zur klassischen Schruppscheibe keine Stäube frei werden, die sowohl gesundheitsgefährdend als auch explosiv sein können. Die Scheibe besteht auch zehn Hartmetallwendeplatten, welche bei entsprechender Abnutzung einfach ein Stück weiter gedreht werden können und somit die komplette Wendeplatte genutzt werden kann. Ich war nicht der Einzige, der daran interessiert war, ob es auch eine Scheibe für unlegierte Stähle gibt. Schön wäre die Tatsache natürlich gewesen, aber dieses Produkt muss noch erfunden werden.

Dennoch ist und bleibt der PFERD ALUMASTER eine interessante Neuheit, welche nicht nur mir auf der Messe aufgefallen ist, sondern die bereits sieben Auszeichnungen abräumen konnte.

Mit einem Verkaufspreis von ca. 800 € ist dies natürlich kein günstiges Unterfangen, dafür aber ein sehr Gesundheitsbewusstes und dabei auch noch mit einer sehr hohen Abtragsleistung.

PFERD Alumaster

Natürlich war dies nicht das einzige neue Produkt, aber aus meiner Sicht das Interessanteste. Ein weiteres interessantes Produkt ist die PS-FORTE DuoDisc. Damit ist es möglich sowohl zu trennen als auch zu entgraten oder auch eine Schweißnaht nachzuarbeiten. Somit entfällt entweder lästiges Wechseln von Schrupp- auf Trennscheibe oder man muss nicht zwei separate Geräte vorhalten.

Schweißspritzer ade

Die Schweißparameter können noch so gut gewählt sein und auch die Vorbereitung der Schweißnaht kann besser nicht sein, trotzdem ist und bleibt das lästige Thema mit Schweißspritzern. Gerade dann, wenn sich die lästigen Dinger an der Gas- oder Strömungsdüse absetzen und nur noch unzureichend geschweißt werden kann, muss unterbrochen werden. Anschließend geht der Griff zur Zange und alles was im Weg sitzt, wird entfernt. Nun gut, wir haben dazu gelernt und auch die Industrie hat uns dahin verleitet für solche Zwecke entweder Pistolenspray oder Düsenfett zu nutzen. Ich selber bin eher der Freund von Pistolenspray und muss gestehen, dass man das Zeug nie sauber aufgebracht bekommt und mich das auch immer total geärgert hat.

Und das ist genau die Stelle an der ich beim Vorbeigehen am ABICOR BINZEL Stand doch stehen bleiben musste.

Das folgende Video zeigt die Anwendung:

Natürlich habe ich mir in der Zwischenzeit eine Dose Keramik-Düsenspray und ein Ceramic Coating Cap organisiert.

Geliefert wird das Ceramic Coating Cap in einer kleinen Papierverpackung.

Binzel Ceramic Coating Cap

Es besteht selber aus drei verschiedenen Teilen. Die beiliegende Anleitung beschreibt die Montage mehr als ausreichend. Um das Cap auf der Dose des Düsensprays montieren zu können, muss vorher der Zerstäuber demontiert werden. Anschließend werden die drei Teile nacheinander aufgesteckt und fest mit der Dose verbunden.

Sowohl Schweißbrenner vom Typ MB 15 als auch MB 25 lassen sich im Selbsttest problemlos mit dem Keramikspray benetzen. Durch den trichterförmigen Aufbau gehen aber auch noch größere Schweißbrenner problemlos. Anbei ein Bild vom ersten Probe-Sprühen, wobei gerade der innere Teil nicht 100%ig zu erkennen ist. Ich kann jedoch sagen, dass sowohl Gasdüse als auch Stromdüse gleichmäßig benutzt sind:

Binzel Ceramic Coating Cap

Ich werde für meinen Teil zumindest weiterhin das Ceramic Coating Cap nutzen. Auch wenn das Spray von Abicor Binzel etwas teurer ist als Alternativprodukte, so ist der Bedarf an Spray gefühlt um ein Vielfaches gesunken. Bei einer normalen Dose geht man doch sonst immer nach dem Motto vor: Viel hilft viel; und jetzt kann man doch mit Sicherheit sagen: Einmal den Brenner versenkt für eine Sekunde und es ist genügend und auch überall Spray gelandet.

Gesundheits- und Arbeitsschutz wichtiger denn je

Kein Thema ist momentan wichtiger als der Gesundheits- und auch der Arbeitsschutz. Gerade vor dem Hintergrund, dass nach neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen der Schweißrauch als krebserregend einzustufen ist. Vor diesem Hintergrund und dem Rechtsanspruch eines jeden Mitarbeiters ist die Bedeutung weiter gestiegen.

Gerade wenn es um das Thema Schweißrauchabsaugung geht, dann gibt es gefühlt nur einen namhaften Hersteller und zwar die Firma KEMPER aus Vreden. Das familiengeführte Unternehmen mit 40-jährigem Jubiläum war natürlich auch mit einem eigenen großen Stand auf der Messe vertreten, welcher angeblich die sauberste Luft hatte – nun gut, ich hatte kein Messgerät dabei. Vorgestellt wurden allerhand Anlagen zur Schweißrauchabsaugung und auch demonstriert. Dabei war es egal, ob es sich um eine kleine mobile Anlage für die Montage handelt oder kleine stationäre Geräte für die heimische Garage, aber auch große Absauganlagen für große Industriekonzerne. Dass diese auch in der Realität genutzt werden, war sehr gut an der Tatsache zu sehen, dass nahezu jeder Hersteller, welcher live Schweißgeräte o.Ä. demonstriert hat, auch eine KEMPER-Anlage mit auf seinem Messestand hatte.

Schweißen und Schneiden KEMPER

Gerade im Punkt Arbeitsschutz gibt es jedoch noch einige weitere nennenswerte Hersteller: so war 3M vertreten und hat mit den bekannten Produkten Speedglas sowohl im Bereich Automatikschweißhelme mit und ohne Absaugung, aber auch Schutzbrillen auf der Messe einen sehr großen Stand gehabt. Auch mit dabei war ESAB mit ihrem bekannten Sentinel A50, welchen ich das erste Mal auf der Messe probeschweißen konnte und wirklich von dem sehr großen Sichtbereich angetan bin.

Kampf um den Nachwuchs

Wie in vielen anderen Branchen auch, hat gerade das Handwerk und somit auch im Bereich Schlosser/Schweißen vermehrt mit Nachwuchsproblem zu kämpfen. Groß aufgemacht war dieses Thema auch auf der Schweißen und Schneiden mit verschiedenen Wettkämpfen im Bereich Schweißen. Der Kampf um die Besten der Besten Nachwuchskräfte. Die Zeiten, in denen eine Schweißkraft bis zu 500 Dollar pro Tag verdient haben (Pipelineschweißen), sind vorbei und viele werden über Zeitarbeitsfirmen oder Ähnliches vermittelt. Für entsprechende Niedriglöhne und weitere Nachteile für den einzelnen Beschäftigten suchen sich viele eine andere Tätigkeit.

Groß aufgemacht war die YOUNG WELDERS’ COMPITION 2017, welche in der für diesen Zweck eingerichteten KEMPER-Arena stattgefunden hat. Dabei sind Schweißfachkräfte bzw. Nachwuchsschweißer aus aller Welt angereist, um an diesen Show-Kampf teilzunehmen. Begleitet wurde das ganze Spektakel durch den DVS (Deutscher Verband für Schweißen und verwandte Verfahren e.V.) und auch dem DVS-TV, welcher mit zahlreichen Videos das Ganze auch für Nicht-Besucher dokumentiert hat.

ESAB Rebel

Wer meinen Blog eifrig mitverfolgt, hat auch mitbekommen, dass ich ein Schweißgerät des Herstellers ESAB mit der Bezeichnung Rebel zuhause stehen habe. Und wie hätte es nicht anders sein können, aber das “kleine” Rebel mit der Modellbezeichnung EMP 215 ic bekommt Nachwuchs bzw. hat auf einmal einen großen Bruder: das Modell ESAB Rebel EMP 235 ic

Nicht nur das Innenleben hat sich geändert, sondern auch das Drumherum wurde ordentlich aufgefrischt. Dabei ist der MIG/MAG-Brenner größer geworden und hat auch ein wesentlich längeres Kabel bekommen. Ebenso ist der Elektrodenhalter für höhere Stromstärke ausgelegt und dabei ist auch das Anschlusskabel gewachsen. Das Erdungskabel ist dabei unverändert in der Länge, hat aber einen größeren Querschnitt, damit es die höhere Stromstärke auch aufnehmen kann. Informationen in deutscher Sprache sind leider auf der ESAB Webseite nicht vorhanden, weshalb ihr besser auf der amerikanischen Seite nachschauen könnt:

ESAB Rebel EMP 235ic

Wann genau der Nachfolger auf dem deutschen Markt verfügbar sein wird, ist noch schwer zu sagen. Ich kann mir für meinen Teil nur vorstellen, dass die ersten Container mit diesem Gerät bereits verkauft, reserviert oder sonst was sind. Gerade wenn ich an den Marktstart des EMP 215 ic denke. Wie warme Semmel ging dieses vom Ladenband. Es war somit nur schwer und mit ziemlichen Lieferschwierigkeiten überhaupt zu bekommen.

ESAB Rebel EMP 235ic

Fazit

Insgesamt wirklich eine sehr lohnende Messe auf der ich den einen oder anderen Kontakt knüpfen und mich selber auch über Neuigkeiten informieren konnte. Es war meine erste Messe als Blogger, aber definitiv nicht die Letzte. Wie viele Messen ich in der Zwischenzeit (bis zur Schweißen und Schneiden 2021) besuchen werden, hängt natürlich von vielen Faktoren ab. Die Eisenwarenmesse im März 2018 in Köln ist zumindest schon fest in den Kalender eingetragen.

Sehr gut fand ich an der Messe, dass man mit der passenden App auf dem Smartphone wichtige Stationen bereits im Vorfeld markieren konnte. So konnte man vor Ort gezielt durch die Hallen gehen und musste nicht bei dem x-ten chinesischen Stand vorbei laufen.

Ich habe zumindest vor Ort nichts gekauft, auch wenn das Interesse für das eine oder andere Produkte vorhanden ist. Ein neuer Schweißhelm in Form eines ESAB Sentitel A50 oder eine Schweißrauchabsaugung für meine Werkstatt stehen zumindest auf meiner Liste und könnten sich in nächster Zeit bei mir zuhause einfinden.

Ist vielleicht noch jemand von euch auf der Messe gewesen und hat noch Neuigkeiten mit aufgenommen?

This article has 1 Comment

  1. Hallo Marcel,
    ich war bereits vor vier Jahren auf der Messe und habe dieses Jahr auch wieder die Ehre gehabt.
    Wir nutzen auch das Keramikspray von Abicor und unsere Erfahrungen sind durchweg positiv. Ich denke auch, dass es kostengünstiger ist, weil man viel weniger braucht.
    Gruß Peter

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