Agria 2400 vom Schrottplatz gerettet

Wie ich bereits in einem anderem Beitrag gesagt hatte, habe ich mir eine Agria 2400 zugelegt.
Zufällig hat mich bei Ebay Kleinanzeigen ein Herr aus der Gegend auf meine Gesuch angeschrieben,  dass er noch eine Agria 2400 stehen hat, wobei er keine genauen Angaben zum Defekt machen kann.
Ich also nach der Arbeit nach Kevelaer gefahren und das gute Schätzchen angeschaut.
Verbaut ist ein Ilo/Jlo 252 Motor.
Gebaut worden Ende der 70er; Technik, die einige Jahre älter ist als ich und wieder ein bisschen Leben eingehaucht bekommen will. Der Starter der Agria ließ sich schwer ziehen – schien, als ob der Motor noch Kompression hat. Benzinhahn aufgedreht und den Tupfer am Vergaser gedrückt gehalten – Benzin kam auch raus. Zündkerze ist schwer zugänglich,  jedoch waren meine Finger klein genug den Stecker abzuziehen und mit dem passenden Original-Schlüssel die Kerze rauszudrehen. Die Kerze eben trocken gemacht und wieder in den Stecker zurück. Den Stecker samt Kerze an den Motorblock und zwei- /dreimal gezogen – Zündfunke sichtbar.
Hmm. Kein passendes Werkzeug dabei um mal auf Auspuff- oder Vergaserseite in den Motor hinein zu schauen. Die Katze bzw. Agria 2400 im Sack kaufen für 200 €? Das wäre ein ziemlich großer und vor allem teurer Sack.
Ich erst einmal nach Hause. Schließlich musste ich noch eine Nacht drüber schlafen bzw gucken, was Ersatzteile kosten. Insgesamt war es gar nicht so einfach einen passenden Motorblock zu finden. Auf Ebay um die 100-150€. Einen neuen Zylinder (Nachbau) gab es schon für um die 80 €.
Am nächsten Tag hab ich den Besitzer der Agria 2400 noch einmal angerufen, dem Herrn die Situation erklärt etc…  100€ und ich soll das Ding schnellstmöglich abholen waren seine letzten Worte am Telefon. Er hat keine Verwendung mehr dafür und sie steht nur im Weg und für den Schrottplatz ist das Schätzchen dann doch zu schade.
100 € in den Sand setzen oder vll ein schönes neues Bastelprojekt – ich brauchte nicht lange überlegen. Das Ding war gekauft. Ein paar Tage später abends mit meinen Bruder und Anhänger hin und die Agria abgeholt.  Leider war es schon spät und der Tag lang (Heuernte stand an). Dennoch noch Zeit für ein Foto gehabt:

Agria 2400 mit ILO 252 Motor unverbastelt

Erste Inspektion der Agria

Am nächsten Abend habe ich das Baby mal auseinander genommen – sowohl Auspuff und Vergaser einmal runter, für einen ersten Eindruck reichte dies schon aus.  Hoffentlich hat der Zylinder nicht auch etwas ab bekommen, war nur meine Gedanke bei den Bildern… aber seht selbst:

Agria 2400 Blick in den Zylinder auf Auspuffseite
Ich hatte noch ein paar andere Verpflichtungen an diesem Abend, sodass es erst einmal nicht weiter ging.

 

Die zweite Inspektion der Agria – es wird spannend

Abends im Bett habe ich meine Bilder noch im besten Einachser Forum gepostet mit einer Bitte um Einschätzung (gregs Einachser Forum).
An dem folgenden Wochenende hatte ich mal wieder etwas Zeit und ich habe den Tank und den Zylinderkopf demontiert und der Kolben kam zum Vorscheinen. Der Kolben hat sehr gelitten, die Kolbenringe sind gebrochen und haben gut gewütet:

Agria 2400 Kolben mit Schaden

 

Das Wichtigste war aber, dass am Zylinder wirklich gar nichts dran war. Durch Google bin ich auf einen Benutzer im Motorsägen Portal gestoßen, der Kolben der Firma Meteor bezieht und auch verkauft. Dabei muss man wissen, dass sowohl Bohrung als auch Hub wunderbar passen und ich somit auch nur 35€ dafür bezahlt habe, jedoch mit einer Lieferzeit von ca. zwei Wochen, Griechenland –> Deutschland (Hamburg) und zu mir nach Hause. Zudem hatte ich mir auch direkt einen neuen Dichtungssatz für den Zylinderkopf, den Vergaser und den Auspuff bestellt – Kostenpunkt um die 10 €. Nun hieß es erst einmal warten.

 

Montage neuer Zylinder und Dichtungen an Agria 2400

Nach nicht einmal zwei Wochen waren dann die Sachen da. Ich also wieder ans Werk – die beiden Sprengringe aus dem Bolzen, welcher die Kolben mit dem Pleuel zur Antriebswelle verbindet.
Der Bolzen wollte sich einfach nicht lösen lassen. Letztendlich habe ich ihn mit roher Gewalt ab bekommen. Dazu habe ich den Kolben festgesetzt und mit leichten Schlägen den Bolzen rausgetrieben. Danach den alten Kolben runter und den Neuen wieder drauf. Die alte Zylinderkopfdichtung runter gekratzt und die neue Dichtung drauf.  Dann wieder den Zylinderkopf drauf – zur besseren Schmierung/Abdichtung habe ich einige Tropfen Zweitakt-Öl durch das Zündkerzenloch gegeben und einige Male sanft am Starterseil gezogen. Den Benzintank oben drauf. Neue Dichtung für Vergaser und Auspuff inkl. den beiden Teilen montiert. Zündkerze und Stecker noch schnell rein und die Benzinleitung am Vergaser montiert. Ich hatte im Vorfeld noch “frisches” Benzin organisiert und Zweitakt-Öl zum Mischen (Mischungsverhältnis laut Bedienungsanleitung 1:25). Eben einen Liter zum Testen angerührt und in den Tank gefüllt. Den Benzinhahn aufgesperrt und den Tupfer einige Sekunden gedrückt gehalten (Benzin lief über – super). Kupplung und Gas kontrolliert – nun kam der finale Augenblick. Springt die Kiste nun an oder war die Arbeit vorerst umsonst? Erstes Mal ziehen, es tat sich nicht. Hmm probieren wir es ein zweites Mal und JAAAAAAAAAA die Kiste sprang sofort an. Die Verbrennung an sich war noch nicht sauber. Das Gemisch war viel zu fett eingestellt, er spuckte fast schon Benzin aus dem Auspuff 🙂 Leider ließ sich der Vergaser auch nicht richtig einstellen. War dieser nun kaputt und für den Aluminiumfraß am Kolben zuständig? Die Kiste wieder ausgemacht und den Vergaser runter. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass der Vergaser nur von mir grob mit etwas Druckluft sauber gemacht wurde. Ich konnte jedoch keine Modellnummer am Vergaser erkennen. Nun hieß es erst einmal den Vergaser komplett demontieren und nachdem alle Dichtungen usw. demontiert waren, die übrigen Teile mit Bremsenreiniger ordentlich sauber machen und siehe da, schon konnte man auch die Bezeichnung des Vergaser erkennen:

Agria 2400 Ilo 252 Vergaser

An dieser Stelle auch ein großen Dank an den Vergaser-Hersteller “Bing”, welcher auf der nachfolgenden Seite für nahezu alle Vergaser die Einstelldatenblätter anbietet:

Einstellblätter

Nachdem alle Teile sauber waren und es wieder ans Montieren ging, stellte ich direkt fest, dass die Nadel am Vergaser der Agria 2400 nicht in der angegebenen Stellung war. Laut Einstelldatenblatt hätte sie in Stellung zwei sein müssen, sie war jedoch in eins. Dies entsprechend korrigiert. Anschließend die Haupt- und Leerlaufdüse wieder montiert. Danach die Gasregulierschraube und Leerlaufregulierschraube und zuletzt noch die Schwimmerkammer. Anschließend die Grundeinstellungen am Vergaser vorgenommen und den Vergaser wieder montiert.
Nun der nächste Testlauf. Benzinhahn wieder aufgesperrt, den Tupfer für wenige Sekunden gedrückt gehalten und am Starterseil gezogen und…. und??? Die Agria 2400 lief direkt beim ersten Ziehen, dieses Mal auch viel ruhiger und auch der Verbrennungsprozess war viel sauberer. Einige Minuten die Maschinen laufen gelassen, damit sie schön warm läuft, dann die letzten Einstellungen am Vergaser vorgenommen und schon lief das Ding. Nun mal einige Meter damit durch die Gegend gefahren/gelaufen. Die Gänge ließen sich gut schalten, wobei der Bowdenzug für die Kupplung schon etwas mitgenommen aussieht. Die Zapfwelle für den Fräskasten oder auch einen Mähbalken lässt sich ebenfalls sauber einlegen und auch wieder trennen.
Somit läuft dieses 40 Jahre alte Schätzchen wieder. Insgesamt sind noch einige Projekte damit geplant. Ein Fräskasten war zum Glück mit dabei – ein Mähbalken und ein Anhänger (zum Transport von Kaminholz oder Gartenabfällen auf dem Privatgelände) sollen noch…. es bleibt also spannend.

This article has 8 Comments

  1. Hi Marcel, ist ja lustig dass du auch im Einachser Forum bist, so klein ist die Welt 😀
    Meine Flotte ist was größer (Vorsicht, ein Einachser bleibt selten allein!). Mit dem Motorschaden hast du echt Pech gehabt. Hast du die alten Teile noch?

    Bei Graf Motoren gibt es Übermaßkolben, den Zylinder kann man aufbohren & neu honen. Vielleicht nicht für die Moment, aber die Einachser sind ja auch eher für die Ewigkeit gemacht, nur fraglich ob man in 20 oder 30 Jahren noch die passenden Teile dafür bekommt.
    Stihlmix oder das grüne Stihl-Zweitaktöl solltest du mal testen, wesentlich weniger Qualm und sehr gute Schmierung. Getriebeölwechsel kann bei den Teilen auch nicht schaden.

  2. Beeindruckend! Ich schraube selbst an Mopeds von 50ccm bis 900ccm, aber mir ist so etwas noch nie unter gekommen. Eigentlich eine coole Sache. Ich sollte auch mal des öfteren bei eBay Kleinanzeigen vorbei schauen, vielleicht finde ich ja ein ähnliches Projekt. Was ist die Agria jetzt eigentlich Wert?

  3. Da hast du dir wirklich ein tolles Projekt ausgesucht, solche Geräte sind es immer wert gerettet zu werden. Ich selber habe leider nicht so viel Talent dafür, ich verfolge solche Herausforderungen lieber von anderen und dieser Beitrag ist wirklich gut gelungen. Alles in einem – Respekt.

  4. Hi Marcel!

    Ich hatte anfangs einen AGRIA2400 dieses Typusses auch früher über’s “Selbstversorger FORUM” verkauft. Auch genau für 100EUR.

    Es sieht für mich wirklich (bis auf Motoränderungen an der Front) nach unserem Gerät aus …

    Ich kann mich an den “okkerfarbenen Fräskasten” erinnern….

    Das wäre doch wahrlich ein interesannter Zufall- dann wäre die Reperatur, sozusagen “online erledigt” ……

    😉

    Ich habe derweil folgende Maschine (ohne weitere Adapter ……………..)

    https://www.facebook.com/forsvaretdeutschland/videos/1856562521261432/

    , freundliche Grüße – vielleicht habe ich von unserem noch die Seriennummer …….

    Rüdiger Müller

    1. Hallo Rüdiger,
      das Selbstversorger Forum kenne ich auch sehr gut. Zudem ist das Einachser-Forum auch noch zu empfehlen.
      Da bekommt man viele Adressen für die Ersatzteilbeschaffung.
      Ich habe vor einigen Wochen noch mit der Agria gefräst – leider ist dabei ein Messer abgebrochen. Aber kein Problem – bekommt man bei Ebay günstig dran.
      Gruß Marcel

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